Biedronka ändert Palettenlogistik: Was polnische Palettenhersteller jetzt wissen müssen
Die angekündigte Umstellung bei Biedronka stellt polnische Palettenhersteller, Reparaturbetriebe, Händler und Lieferanten vor neue Rahmenbedingungen. Jeronimo Martins Polska S.A. (JMP), Betreiberin der Handelskette Biedronka, teilte ihren Geschäftspartnern am 19. Februar 2026 mit, weiße EUR-/EPAL-Paletten schrittweise aus dem eigenen Umlauf zu nehmen.
Nach dem Originalschreiben von JMP sollen weiße EUR-/EPAL-Paletten im Format 1.200 x 800 Millimeter vom 1. August 2027 an nicht mehr akzeptiert werden. Bei Anlieferungen an die Distributionszentren würden sie dann als Einwegpaletten ohne Rückgaberecht behandelt. JMP benannte CHEP Polska, LPR – La Palette Rouge Poland und NDHP als künftig eingesetzte Pooling-Anbieter. Paletten von FHG IPP Logipal sollten nur noch bis zum 31. Dezember 2026 und nur von Lieferanten angenommen werden, die bereits einen Vertrag mit diesem Betreiber haben.
Warum polnische Palettenhersteller von der Umstellung betroffen sind
Weiße EUR-/EPAL-Paletten werden in einem offenen Tauschsystem eingesetzt. Produktion, Reparatur, Handel und Tausch verteilen sich auf viele voneinander unabhängige Unternehmen. Geschlossene Pooling-Systeme funktionieren anders: Die Paletten bleiben Eigentum des jeweiligen Poolbetreibers und werden den Nutzern im Rahmen einer Dienstleistung zur Verfügung gestellt. Für polnische Palettenhersteller bedeutet der Wechsel eines großen Handelsunternehmens zu ausgewählten geschlossenen Pools daher eine Veränderung des erreichbaren Absatzmarktes.
In den vorliegenden Unterlagen wird der Starttermin nicht einheitlich angegeben. Das von JMP unterzeichnete Schreiben vom 19. Februar 2026 nennt den 1. August 2027. Die EPAL-Presseinformation vom 27. Juli 2026 nennt dagegen den 1. Juli 2027. Für die Darstellung der Biedronka-Position wird hier das Datum aus dem Originalschreiben von JMP zugrunde gelegt.
Die Position von Biedronka
JMP begründet die Entscheidung mit drei geschäftlichen Zielen. Einer höheren Effizienz der Filialen und der Logistikprozesse in den Lagern. Sowie einer einfacheren und optimierten Nutzung der Lagerflächen. Letztens der Berücksichtigung von Umweltaspekten bei den eingesetzten Ladungsträgern.
Nach Darstellung von EPAL Polska erklärte JMP in den gemeinsamen Gesprächen, die Entscheidung für geschlossene Pooling-Systeme sei bereits zuvor auf Basis eigener Analysen getroffen worden und könne nicht mehr geändert werden. Zugleich habe JMP Lösungen mit individuellen QR-Codes positiv bewertet. Laut EPAL Polska stellte JMP in Aussicht, EPAL-Paletten mit QR-Code in Ausnahmefällen zu akzeptieren, wenn Lieferanten die neuen Anforderungen nicht erfüllen können. Details zu diesen Ausnahmen enthält das vorliegende JMP-Schreiben nicht.
Damit verändert JMP für polnische Palettenhersteller nicht den EPAL-Standard selbst, sondern die Bedingungen für die Belieferung seiner eigenen Logistik. Ab dem genannten Stichtag sollen weiße EUR-/EPAL-Paletten dort nicht mehr als tauschfähige Ladungsträger behandelt werden.
Die Position von EPAL Polska
EPAL Polska will den offenen Tauschpool erhalten. Bei einem Treffen mit JMP und ECR Polska schlug die Organisation Unterstützung bei Reparatur, Sortierung und schnellerer Rotation weißer Paletten in den Distributionszentren vor. Weitere Vorschläge waren vereinfachte Palettenabrechnungen auf Basis eines digitalen Palettenpasses mit QR-Code sowie eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Analyse der Logistikprozesse und Kosten.
EPAL Polska bewertet die Beschränkung auf drei geschlossene Pooling-Anbieter als mögliche Einschränkung des Wettbewerbs und als potenziellen Kostenfaktor für Lieferanten. Die Organisation kündigte deshalb an, den Sachverhalt dem polnischen Amt für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz UOKiK vorzulegen. EPAL stellte zugleich klar, dass die Meldung weder das Ergebnis einer Prüfung noch weitere Schritte der Behörde vorwegnimmt.
Für polnische Palettenhersteller nennt EPAL Polska außerdem die Digitalisierung des offenen Pools als Entwicklungsweg. Individuelle QR-Codes sollen die Identifikation, Herkunftsprüfung, Reparaturhistorie, Echtheitskontrolle, Bestandsführung und Anbindung an Lager-, Logistik- und ERP-Systeme unterstützen. EPAL Polska unterstützt zudem eine von ECR Polska initiierte offene Stellungnahme an JMP und kündigte einen eigenen offenen Brief an, den betroffene Lieferanten unterzeichnen können.
Die EPAL-Presseinformation beziffert den weltweiten Bestand an EPAL-Europaletten auf rund 650 bis 670 Millionen Stück. In etwa 1.700 Betrieben würden jährlich mehr als 100 Millionen standardisierte Paletten produziert; nahezu jede dritte davon entstehe in Polen. Diese Angaben stammen von EPAL und werden in den vorliegenden Unterlagen nicht durch eine unabhängige Statistik ergänzt.
Die Position von Palettenring
Palettenring schlägt den Mitgliedern von EPAL Polska als „Plan B“ vor, den Export und den Direktvertrieb an Endkunden in Deutschland auszubauen. Ziel ist laut dem Papier, zusätzliche Kunden zu gewinnen, die Abhängigkeit von einzelnen Großabnehmern und Zwischenhändlern zu verringern und die Absatzbasis zu verbreiten.
Palettenring richtet dieses Angebot ausdrücklich an polnische Palettenhersteller. Als Gründe für Deutschland nennt das Papier die räumliche Nähe, eine hohe Nachfrage sowie die aus Sicht des Verfassers vorhandene Wertschätzung für polnische Qualität und Flexibilität. Das Konzept sieht nicht vor, einen einzelnen Großkunden durch einen anderen zu ersetzen, sondern mehrere direkte Kundenbeziehungen aufzubauen.
Palettenring bezeichnet palettenring.de als möglichen gemeinsamen Vertriebskanal für Mitglieder von EPAL Polska. Die im Papier genannten möglichen Vorteile – höhere Volumina, bessere Konditionen und stabilere Margen – sind Ziele des vorgeschlagenen Modells; Nachweise über bereits erzielte Ergebnisse enthält das Dokument nicht.
Ein Markt, drei klar unterscheidbare Positionen
Biedronka verfolgt die Umstellung auf ausgewählte geschlossene Pooling-Systeme. EPAL Polska setzt sich für den Fortbestand und die Digitalisierung des offenen Europalettenpools ein. Zudem hat EPAL Polska regulatorische sowie kommunikative Schritte angekündigt. Palettenring schlägt eine Diversifizierung über Direktvertrieb und Export nach Deutschland vor.
Für polnische Palettenhersteller liegen damit drei getrennte Sachverhalte vor: eine neue Beschaffungs- und Annahmeregel eines Großkunden, die Interessenvertretung des offenen EPAL-Systems und ein zusätzliches Vertriebsangebot für den deutschen Markt.
Hinweis in eigener Sache: Der Autor ist Herausgeber des PalettenReport und Betreiber von Palettenring. Die Positionen der Beteiligten wurden deshalb getrennt dargestellt und den jeweils vorliegenden Dokumenten zugeordnet.